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Elterninformation

Liebe Eltern,
wir verfolgen mit dem Training das Ziel, den Kindern zu helfen, in verschiedenen Situationen sicherer und selbstbewusster zu reagieren.

Es geht dabei nicht allein um den Schutz vor missbräuchlichen Übergriffen. Wir wollen auch für alltägliche kleine und größere Grenzüberschreitungen mit den Kindern ihre Wahrnehmung schärfen und Auswege aufzeigen. Solche Alltagssituationen spielen sich als Ärger- und Konfliktszenen zwischen Kindern ab, beinhalten aber auch distanzlose Erwachsene, die die Grenzen der Kinder nicht wahrnehmen oder sogar absichtlich überschreiten.

Was erwartet mein Kind im Training?

Im Training spielen wir solche Situationen als kurze Szenen mit Kuscheltieren vor. Daneben gehen wir in Rollenspiele, in denen die Kinder ein kindgerechtes und sicheres Verhalten ausprobieren und üben können. Wir nehmen uns mit den Kindern immer ausreichend Zeit, solche Situationen kurz und altersgerecht zu reflektieren.

Kein Kind wird von uns gezwungen oder genötigt, mitzumachen oder aktive Parts zu übernehmen. Wir bringen die Kinder nicht in überfallartige oder angstbesetzte Szenen. Wir spielen keine Lösungen durch, mit denen die Kinder überfordert sind oder in denen sie sich körperlich zur Wehr setzen müssen.

Wenn der Kurs mit Ihren Kindern abgeschlossen ist:

  • haben die Kinder mit viel Spaß gesehen und probiert, wie sie unangenehme oder bedrohliche Situationen erkennen und aus dem Weg gehen können.
  • haben wir durchgespielt, wie man aus beklemmenden Situationen wieder herauskommen und Hilfe organisieren kann.
  • haben die Kinder Anregungen bekommen, wie sie mit Konflikten untereinander gewaltfrei umgehen können.

Das Training gibt dabei immer einen Anstoß, macht Ihre Kinder aber natürlich nicht rundum sicher. Es kommt nach dem Training sehr darauf an, dass Sie diesen Anstoß aufnehmen und mit Ihren Kindern fortführen.

Grundsätzlich ist es immer gut, wenn Sie versuchen, mit Ihrem Kind über den Kurs ins Gespräch zu kommen. Aber: je jünger Ihr Kind ist, desto schwieriger wird es für es sein, allgemein gehaltene Fragen zu beantworten.
Beispielsweise die Frage „Was habt Ihr denn in dem Kurs gemacht?“ ist insbesondere für Kita-Kinder schwer zu beantworten, da diese Frage für das Kind keinen Ankerpunkt bietet, um mit seiner Erinnerung dran festzumachen.

Was kann ich nach den Kursen machen, um das Training präsent zu halten?

Für jüngere Kinder ist es anfangs leichter, ganz gezielte Fragen zu beantworten, die einen solchen Ankerpunkt bieten:

„Wie geht das mit dem Stopp sagen?“.

„Was kannst Du tun, wenn dich ein anderes Kind ärgert?“

„Was machst Du, wenn ein anderes Kind nicht auf Dein Stopp hört?“

„Darfst du auch zu Großen/Erwachsenen stopp sagen?“

„Müssen Mama und Papa auch auf Stopp hören?“

Ihr Kind kann dann wahrscheinlich besser wiedergeben, was es noch von dem Kurs weiß.

Behalten Sie bitte immer im Auge, dass es besonders bei jüngeren Kindern dauern kann, bis diese von sich aus vom Kurs erzählen. Die Zeit, die die Kinder brauchen, um von sich aus zu erzählen und auch der Umfang dessen, was sie erzählen, kann von Kind zu Kind zum Teil sehr unterschiedlich sein.

Bei älteren Kindern ist es sicherlich etwas einfacher, ein Gespräch zu beginnen, aber auch hier ist es nicht ratsam, als erstes zu fragen: „Was habt Ihr denn jetzt gelernt?“ Erstens ist kurz nach dem Kurs das gedankliche Durcharbeiten noch gar nicht abgeschlossen und zweitens gerät so aus dem Blick, dass es sich bei unseren Kursen in erster Linie um ein Training handelt und nicht um einen Unterricht. In einem Training üben die Kinder wiederholt bestimmte Verhaltensmuster, ähnlich wie beim Sport. Der Erfolg unseres Trainings richtet sich viel mehr danach, was Ihr Kind jetzt sicherer kann als vorher, und nicht unbedingt danach, dass es jetzt etwas weiß, was es vorher nicht wusste.

Ein Mädchen oder Junge aus der vierten Klasse wiederum wird wahrscheinlich nicht mit der Begeisterung eines Fünfjährigen ‚lass mich in Ruhe‘ durch das Haus rufen, um zu zeigen, dass es so toll Stopp sagen kann. Aber auch hier ist es für die Kinder hilfreicher, wenn Sie mit einer gezielten Frage eine Richtung vorgeben:

„Habt Ihr Theater gespielt?“

„Was kannst Du machen, wenn Dich jemand auf dem Schulweg anspricht und möchte, dass du mitkommst?“

„Wo kannst Du hinlaufen, wenn es brenzlig wird?“

Fragen Sie Ihr Kind gerne, wie es sich in bestimmten Situationen verhalten würde. Überlegen Sie mit ihm, wie es Hilfe holen könnte und ob es auch Erwachsene um Hilfe ansprechen darf, die es nicht kennt. Sie können mit Schulkindern auch gedanklich den Schulweg abgehen und festlegen, zu welchen Orten es laufen kann, wenn es notwendig ist.

Wie kann ich mein Kind über die Kurse hinaus unterstützen?

Der größte Teil der Bildung von Selbstwert und Selbstbewusstsein von Kindern findet im familiären Schutzraum statt. Hierzu gehört ein gewaltfreies und fürsorgliches Elternhaus.

Körperliche Selbstbestimmung fängt in der Beziehung zu den Eltern an. In der Familie lernt das Kind, was normal und üblich ist. Dieses Normale und Übliche wird Ihr Kind auch als Orientierung dafür nehmen, wie andere außerhalb der Familie mit ihm umgehen. Wenn es zu Hause normal ist, dass die Eltern die körperlichen und seelischen Grenzen des Kindes achten, wird es das auch wo anders als normal erachten und erwarten. Und es wird leichter erkennen können, wenn jemand, insbesondere Erwachsene, seine Grenzen überschreiten.

Wenn das Kind zu Hause hingegen die Erfahrung macht, dass sein Stopp beim Durchkitzeln oder Rangeln ignoriert wird, wird es möglicherweise auch außerhalb von zu Hause als normal empfinden, wenn ein Erwachsener in Situationen von körperlichem Kontakt seine Grenzen überschreitet.

Kinder haben bei körperlicher Selbstbestimmung mindestens die gleichen Rechte wie Erwachsene. Erwachsene empfinden es in aller Regel als selbstverständlich, dass man Ihnen nicht unvermittelt den Kopf streichelt oder sie auf den Schoß zerrt. Dasselbe gilt für Kinder – auch die enge Verwandtschaft muss sich daran halten.

Es ist für Ihr Kind hilfreich, wenn Sie ihm vermitteln, welche Dinge selbstverständlich sind:

„Dein Körper gehört dir!“

„Du entscheidest, wer dich anfassen darf und wen du anfassen möchtest!“

„Niemand darf Dich zu Berührungen zwingen. Auch nicht ältere Kinder, Eltern von Freunden, Lehrer, Pastoren oder Trainer.“

Wie geht es weiter?

Wie bereits erwähnt, macht eine einmalige Veranstaltung Ihr Kind nicht zu einem Profi. Um den Entwicklungs- und Lernprozess weiter zu unterstützen und zu stärken ist es sinnvoll, das Training jährlich zu wiederholen – insbesondere damit sich Trainingsinhalte bei den Kindern nachhaltig festigen. Im Training haben die Kinder dann wieder die Möglichkeit, jeweils altersgerecht zu üben, sich abzugrenzen und gemeinsam mit anderen zu überlegen, wie man sich clever verhält.

Auch Eltern stoßen an ihre Grenzen…

Scheuen Sie sich nicht, bei der Lösung von Problemen Ihres Kindes die Hilfe von Dritten in Anspruch zu nehmen. Dieses gilt insbesondere, wenn es um Straftaten oder um mehrere Betroffene geht. Öffentliche Stellen, die Hilfe anbieten, sind die Polizei oder auch Jugend- und Opferschutzorganisationen wie z. B. „Zartbitter“ e.V. oder „Dunkelziffer“ e.V.

Anregungen und Kritik

Melden Sie sich gerne bei uns, wenn Sie Fragen zum Training oder Anregungen und Kritik zu den Kursen haben. Wir freuen uns über eine E-Mail. Wenn Sie darüber hinaus Einrichtungen oder Personen kennen, für die unsere Arbeit interessant sein könnte, würden wir uns freuen, wenn Sie mit uns in Kontakt treten. Wir senden Ihnen gerne Informationsmaterial zu.

Stichpunkte zu den Kursen

Die folgenden Stichpunkte sollen Ihnen helfen, die einzelnen Kursinhalte mit Ihren Kindern präsent zu halten. Achten Sie darauf, zunächst ganz einfache Fragen zu stellen, damit gerade die Jüngeren nicht überfordert werden.

Inhalte in Kita-Kursen

  • Wie geht Stopp sagen?
  • Ich lasse mich nicht ärgern. Ich kann nein sagen, ich kann weglaufen und Bescheid sagen.
  • Mein Körper gehört mir! Ich darf bestimmen, wer mich anfasst.
  • Es gibt gute und schlechte Berührungen.
  • Schlechte Gefühle und Erlebnisse behalte ich nicht für mich.

Inhalte an Grundschulen

  • Das Grundschulprogramm führt die Inhalte der Kita fort und nimmt weitere Punkte hinzu. Ein Einstieg ist jederzeit möglich, ohne dass Kinder überfordert werden.
  • Da wir die Kurse sehr nach den Bedürfnissen der Kinder ausrichten, kann es sein, dass wir Inhalte aus anderen Klassenstufen hinzunehmen, oder bestimmte Inhalte weniger behandeln.
  • Die Inhalte ab der ersten Klasse werden in den Folgeklassen immer wieder aufgegriffen und altersgerecht wiederholt.

Inhalte ab der ersten Klasse

  • Auf dem Schulhof und dem Schulweg lasse ich mich nicht ärgern.
  • Mit Fremden gehe ich nicht mit.
  • Ich weiß, wo ich hinlaufen kann und wie ich Hilfe bekomme.

Inhalte ab der zweiten Klasse

  • Wie verhalte ich mich am Telefon?

Inhalte ab der dritten Klasse

  • Mobbing und Ausgrenzung: Was ist das? Was kann ich tun?
  • Wie verhalte ich mich an der Haustür, wenn ich alleine bin?

Inhalte ab der vierten Klasse

  • Belästigung durch Autoritäten
  • Belästigung im öffentlichen Raum

Buchempfehlungen

für Kita-Kinder

  • Mein Körper gehört mir
    ISBN 3-7855-2684-9
  • Ich und meine Gefühle
    ISBN 3-7855-2890-6
  • Der kleine freche Quengelkasper
    ISBN 3-930299-86-0

für Kinder aus der 1. und 2. Klasse

  • Philipp darf nicht petzen
    ISBN 978-3-401-09422-9
  • Nein! Nein! Ich steig in kein fremdes Auto ein
    ISBN 978-3-8157-4062-0

für Kinder aus der 3. und 4. Klasse

  • Jetzt bist du fällig
    ISBN 978-3-7855-5532-3
  • Ich knall ihr Eine
    ISBN 978-3-570-21421-3
  • Sonst bist du dran
    ISBN 978-3-401-02785-2
  • Ich hätte Nein sagen können
    ISBN 978-3-407-74104-2
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